Der aktuelle Sternenhimmel


Sternkarte Herbst 2020 


Der Sternenhimmel Mitte September

Der September ist der Monat, in dem der Sommer langsam in den Herbst übergeht. Der astronomische Herbstbeginn ist der Zeitpunkt, an dem der Mittelpunkt der Sonne von Norden nach Süden den Himmelsäquator überschreitet. Das ist in diesem Jahr am 22. September um 15:31 Uhr der Fall. Tag und Nacht sind dann exakt gleich lang und die Sonne geht ganz genau Westen unter. Danach werden dann die Nächte immer länger – gute Bedingungen, um Sterne zu sehen!

Den Großen Wagen, das sicherlich bekannteste aller Sternbilder, findet man am Abend noch hoch im Nordwesten. Dann steht das große Sommerdreieck, das aus den hellsten Sternen der drei Sternbilder Schwan, Leier und Adler besteht, im Süden. Tief im Südwesten sind die beiden Riesenplaneten Jupiter und Saturn im Sternbild Schütze gut sichtbar. Gegen 1 Uhr verschwinden die beiden größten Planeten des Sonnensystems unter dem Horizont.

Ab Mitternacht rücken die Sternbilder des Herbstes in das Zentrum der Himmelsbühne. Am Abend kann man sie bereits im Osten aufgehen sehen. Auffällig ist vor allem das Sternbild Pegasus, das manchmal auch „Herbstviereck“ genannt wird. Es besteht aus vier fast gleich hellen Sternen, von denen der links oben im Viereck allerdings schon zum Sternbild Andromeda gehört. Dieser Stern trägt den schönen Eigennamen Alpheratz, was wie viele Sternnamen aus dem Arabischen kommt und „Nabel der Stute bedeutet. An die Sternenkette der Andromeda schließt sich der Perseus an. Oberhalb von Perseus und Andromeda ist mit dem Himmels-W der Kassiopeia eines der besonders gut erkennbaren Sternbilder zu sehen.

Viel weniger leicht als Figur wahrzunehmen ist das Tierkreissternbild Fische, das direkt unterhalb des Pegasus liegt. Aber in den Fischen leuchtet ein sehr auffälliges, rötliches Objekt: der äußere Nachbarplanet der Erde, der Mars. Er ist im September bereits heller als die hellsten Sterne, wird aber erst im Oktober seine größte Erdnähe erreichen. Immerhin geht er im September schon gegen 21:00 Uhr auf, ist also auch am Abendhimmel zu sehen.

Am Morgenhimmel strahlt dagegen die Venus, die innere Erdnachbarin. Mitte des Monats steht sie im Sternbild Krebs, erscheint gegen 3:00 Uhr über dem Horizont und ist dank ihrer großen Helligkeit bis in die Morgendämmerung hinein zu sehen.

 

Highlight des Monats:

Zwei junge Sternhaufen: h und chi Persei

Im nördlichen Teil des Sternbilds Perseus, nur knapp unterhalb des Himmels-W der Kassiopeia, sind bei dunklem Himmel zwei diffuse Fleckchen am Himmel zu sehen. Ein Fernglas zeigt, dass die „Fleckchen“ aus vielen Sternen bestehen, die ungefähr so groß sind wie der Vollmond: Hier liegen zwei Sternhaufen direkt nebeneinander. Sie sind unter dem Namen „h und chi Persei“ bekannt, den ihnen Johann Bayer im Jahr 1603 in seiner Uranometria gab. Die Namen sind etwas merkwürdig, klingen sie doch nach Bezeichnungen für einzelne Sterne. William Herschel erkannte im 19. Jahrhundert, dass es sich um zwei eng benachbarte Sternhaufen handelt. Daher werden sie manchmal auch einfach „der Doppelhaufen im Perseus“ genannt.

Der Doppelhaufen h und chi Persei durch ein kleines Teleskop fotografiert
(Chrisguidry / frei verwendbar, Creative Commons BY-SA 4.0 License)

Heute wissen wir, dass die beiden Sternhaufen gemeinsam entstanden sind. Sie sind etwa 7.500 Lichtjahre von uns entfernt und bestehen aus vielen tausend Sternen, von denen ein Fernglas natürlich nur die hellsten zeigt. Die beiden Haufen habem sich vor knapp 13 Millionen Jahren gebildet. Das macht sie zu sehr jungen Mitgliedern der Sternenfamilie: Unsere Sonne ist 4,5 Milliarden Jahre alt!

Dass man den Doppelhaufen sogar mit dem bloßen Auge sehen kann, obwohl er viele Tausend Lichtjahre weit weg ist, hängt mit seiner – astronomisch gesehen – Jugend zusammen. Denn besonders leuchtkräftigen Sterne existieren nur für einige Millionen Jahre. In h und chi Persei gibt es noch an die 300 sehr helle und heiße Sterne. Das macht den Doppelhaufen zu einem attraktiven Beobachtungsobjekt am herbstlichen Himmel.