Der aktuelle Sternenhimmel

Sternkarte Mitte Dezember 2021

 

Der Sternenhimmel Mitte Dezember

 

Am kürzesten Tag des Jahres, dem astronomischen Winteranfang am 21. Dezember, geht die Sonne über Bochum schon vor 16:30 Uhr unter. Mehr als 16 Stunden bleibt sie dann unter dem Horizont. Der Blick zum Himmel lohnt also schon am frühen Abend.

Dann ist tief im Südwesten noch die helle Venus, der innere Nachbarplanet der Erde, zu sehen, der aber schon um vor 19 Uhr untergeht. Etwa eine Stunde länger ist der weitaus lichtschwächere Ringplanet Saturn sichtbar. Den Riesenplaneten Jupiter kann man dagegen bis etwa 21:00 Uhr beobachten.

Am Abend dominieren die Sternbilder des Herbstes noch den Himmel im Süden und Westen. Das Sternenviereck des Pegasus steht im Westen. Darunter ist das Tierkreissternbild der Fische zu finden. Das einprägsame Himmels-W der Kassiopeia steht beinahe im Zenit, und auch der Held Perseus ist hoch am Himmel zu finden.

Im Laufe der Nacht wandern die Wintersternbilder mit ihren vielen hellen Sternen in den Süden. Die hellsten Sterne von sechs Sternbildern bilden das auch aus der Stadt leicht erkennbare Wintersechseck. Dazu gehören der rötliche Aldebaran im Stier, Kapella im Fuhrmann, Pollux, der etwas hellere der beiden Hauptsterne im Sternbild Zwillinge, und Prokyon im Kleinen Hund. Besonders leicht zu finden, obwohl er am tiefsten steht, ist der Sirius im Großen Hund, der der hellste Stern am gesamten Himmels ist. Und auch Rigel, einer der Fußsterne im Orion, ist hell und auffällig.

Der Orion ist eines der einprägsamsten Sternbilder am Himmel. Schultern, Gürtel, Schwert und Füße bilden ein auffälliges Sternenmuster, das sogar am aufgehellten Stadthimmel gut zu sehen ist. Für die antiken Griechen war der Orion ein großer Jäger, um den sich viele Geschichten ranken. In einer davon stellt der Jäger den Plejaden, den jungfräulichen Begleiterinnen der Göttin Artemis, nach. In Tauben verwandelt, gelang den Plejaden die Flucht und sie wurden an den Himmel versetzt, wo sie heute als auffälliger Sternhaufen im Rücken des Stieres zu sehen sind. Der Orion folgte ihnen an den Himmel, kann sie aber niemals erreichen, steht er doch ein gutes Stück östlich von ihnen.


Highlight des Monats
Der große Orionnebel

Orion Nebula
Foto: NASA (HST)

Im Schwert der Figur des Himmelsjägers Orion findet man einen diffusen Nebelfleck, den man unter sehr guten Bedingungen – also bei dunklem Himmel außerhalb der Stadt – sogar mit dem bloßen Auge wahrnehmen kann, scharfe Augen vorausgesetzt. Schon ein Fernglas zeigt das nebulöse Objekt recht deutlich, und Bilder mit großen Teleskopen sind atemberaubend farbig und detailreich.

Das Objekt ist als „Großer Orionnebel“, oft auch einfach nur als „Orionnebel“ bekannt. Es ist etwa 1400 Lichtjahre von uns entfernt. Damit ist der Orionnebel die am nächsten gelegene Region im All, in der heute noch zahlreiche neue Sterne entstehen. Er gehört zu den Himmelsobjekten, die am häufigsten fotografiert und auch am intensivsten erforscht werden, gibt er doch Einblicke in den Prozess der Sterngeburt, der wahrscheinlich für unsere Sonne ganz ähnlich ablief.

Generell bilden sich Sterne in den Tiefen von Staub- und Gaswolken, in die wir nicht hineinsehen können. Auch solche dunklen Gebiete kann man im Orionnebel erkennen. Viele Sterne haben mit ihrer Strahlung ihre Geburtswolke aber bereits aufgelöst und sind sichtbar geworden.

Die vier hellsten und heißesten Exemplare liegen im Zentrum des Nebels. Sie werden als „Trapez“ bezeichnet, und schon Galileo Galilei zeichnete sie im Jahr 1617. Der massereichste Stern unter den vieren dürfte etwa 40-mal so schwer wie die Sonne sein und unseren Heimatstern an Leuchtkraft um das 200.000-fache übertreffen. Erst vor weniger als 300.000 Jahren haben er und die anderen Sterne im Trapez sich gebildet. Vor allem ihr Licht regt das Gas im gesamten Nebel zum Leuchten in vielen Farben an. Darüber hinaus verlieren die Sterne Masse: Von ihnen geht ein starker Sternwind aus, der das umgebende Material zu einer bizarren Landschaft voller Höhlungen und Blasen formt.  

Die Sterne im Trapez sind aber nur ein kleiner Teil aller Sterne im Orionnebel. Insgesamt haben sich dort in der letzten Million Jahre wohl mehrere tausend Sterne gebildet, von denen die meisten mit unserer Sonne vergleichbar oder sogar deutlich weniger hell sind. Auch Vorstufen von Planetensystemen hat man gefunden: Eine ganze Reihe der jungen Sterne sind von staubreichen Scheiben umgeben, in denen sich Planeten bilden können, falls die Scheibe sich nicht zu schnell auflöst.