Der aktuelle Sternenhimmel

Sternkarte April 2021

 

Der Sternenhimmel Mitte April

Mitte April steht die Sonne schon vierzehn Stunden über dem Horizont. Die Nächte werden immer kürzer, sind aber noch dunkel genug, um am Sternenhimmel auf Entdeckungsreise zu gehen. Gegen 22:00 Uhr (mitteleuropäische Sommerzeit MESZ), wenn es richtig dunkel geworden ist, findet man das bekannteste aller Sternbilder, den Großen Wagen, fast im Zenit. Der Wagen erfüllt jetzt seine Funktion als praktischer Himmelswegweiser besonders gut, weil man ihn von überall her hoch am Himmel sehen kann. Seine hinteren Kastensterne weisen auf den Polarstern, der fast genau im Norden steht.

Tief im Westen kann man vor Mitternacht noch den großen Himmelsjäger Orion, den Stier und die Zwillinge sehen – die Wintersternbilder geben ihre Abschiedsvorstellung am Himmel. Das gilt auch für den rötlichen Mars, den einzigen Planeten, der am April am Abend zu sehen ist. Der Mars ist nach seiner engsten Annäherung an die Erde im Oktober 2020 wieder so weit entfernt, dass er etwas weniger hell erscheint als der Stern Aldebaran, das rote Auge des Stiers. Stern und Planet lassen sich gut miteinander vergleichen, da sie beinahe dieselbe Farbe haben.

Bestimmt wird der der Himmelsanblick im April aber von den Sternbildern des Frühjahrs. Der auffälligste unter den himmlischen Frühlingsboten ist der Löwe, der aus zwei Sternenvierecken besteht, einem größeren für den Körper und einem kleineren für den Kopf. Der hellste Stern im Löwen heißt Regulus und findet sich in der rechten unteren Ecke. Östlich des Löwen leuchtet ein heller, rötlicher Stern: Das ist der Arktur, der zum Sternbild Bärenhüter gehört. Und unterhalb des Arktur im Tierkreissternbild Jungfrau kann man die Spica entdecken. Zusammen bilden Regulus, Arktur und Spica ein großes Sternendreieck, das gelegentlich auch „Frühlingsdreieck“ genannt wird. Es ist die gesamte Nacht zu sehen: Am Abend geht es im Osten auf, gegen Mitternacht steht es hoch im Süden und am Morgen verschwindet langsam in Richtung des westlichen Horizonts.

Am Morgenhimmel finden Frühaufsteher zwei weitere Planeten. Der Ringplanet Saturn, der zehnmal weiter von der Sonne entfernt ist als die Erde geht gegen 4:30 Uhr MESZ auf. Nur eine knappe halbe Stunde später folgt der deutlich hellere Jupiter, der größte Planet in unserem Sonnensystem. Beide Planeten wandern durch das Sternbild Steinbock. Zu Beginn der Morgendämmerung stehen sie allerdings weniger als 10° über dem Horizont. Auffällige Objekte am Himmel werden sie erst im Verlauf der nächsten Monate.

 

Highlight des Monats
Corvus, der Himmelsrabe

Sternbild Rabe

Manchmal sind es gerade die kleinen und kompakten Sternbilder, die am Himmel leicht zu finden sind. Zu diesen einprägsamen, aber nicht allzu bekannten Figuren gehört der Rabe – auch unter seinem lateinischen Namen Corvus bekannt. Unter den 88 Sternbildern belegt er in Bezug auf seine Größe nur den Platz 70.

Der himmlische Rabe ist an einem Aprilabend unterhalb des Tierkreissternbilds Jungfrau in südöstlicher Richtung zu finden. Gegen Mitternacht steht das gut erkennbare Sternenviereck gut 20° hoch im Süden. Die vier Sterne haben klangvolle Namen: Gienah, Kraz, Algorab und Minkar heißen sie. Gienah, der hellste unter ihnen, ist ein gut 150 Lichtjahre entfernter blau-weißer Riesenstern mit der mehr als dreihundertfachen Leuchtkraft unserer Sonne.

Der Rabe gehört zu den 48 klassischen Sternbildern, die schon Ptolemäus im zweiten nachchristlichen Jahrhundert in seinem Sternkatalog nannte. Entsprechend ranken sich eine ganze Reihe antiker Sagen um den himmlischen Vogel.

Am Himmel scheint der Rabe auf dem eher unauffälligen Sternbild Wasserschlange zu sitzen. Direkt neben ihm ist das Sternbild Becher zu finden. Die bekannteste Geschichte verbindet die drei Sternbilder: Apollo sandte den Raben aus, um von einer entfernten Quelle Wasser zu holen. Auf seinem Weg kam der Rabe an einem Feigenbaum voller noch unreifer Früchte vorbei. Der Vogel wartete mehrere Tage, bis die Feigen reif waren, fraß sich satt und kehrte dann unverrichteter Dinge mit dem leeren Becher zu Apollo zurück. Zu seiner Entschuldigung führte der Rabe an, eine Wasserschlange habe ihm den Weg zur Quelle versperrt, und wies tatsächlich eine Schlange vor, die er unterwegs gefangen hatte. Der Gott durchschaute allerdings seine Geschichte und versetzte zur Strafe Rabe, Schlange und Becher an den Himmel.