Unter den auffälligen Sternbildern des Wintersechsecks ist der Kleine Hund das, das wohl am wenigsten beachtet wird. Das dürfte daran liegen, dass seine Fläche nur den Rang 71 unter 88 Sternbildern einnimmt. Der Kleine Hund (lateinisch „Canis Minor“) gehört trotzdem zu den 48 Sternbildern der antiken griechischen Astronomie, die bereits von Claudius Ptolemäus beschrieben wurden und auch in weit älteren babylonischen Traditionen schon erwähnt werden.
Er wurde von den Griechen als Jagdhund betrachtet und meist – zusammen mit dem Großen Hund - dem Jäger Orion zugeordnet.
Das Sternbild enthält nur zwei Sterne, die auch am Stadthimmel mit dem bloßen Auge sichtbar sind. Einer davon ist allerdings sehr bemerkenswert: Das ist Procyon, der zum Wintersechseck gehört. Er ist der achthellste Stern am gesamten Himmel und die Nummer sechs unter allen Sternen, die von Deutschland aus sichtbar sind. Im Wintersechseck sind Sirius, der hellste Stern am gesamten Himmel, Capella im Fuhrmann und Rigel im Orion heller.
Der Name Procyon lässt sich leicht auf das griechische „Prokyon“ zurückführen, was „vor dem Hund“ bedeutet. Dies bezieht sich auf den helleren Sirius im Großen Hund, dem der Procyon am Himmel „vorausgeht“ – er geht vor dem Sirius auf. Aber Procyon wird auch in einer eigenen Sternengeschichte gewürdigt: Danach gehörte der Hund Ikarios von Athen. Als der Hund den Tod seines Herrn entdeckte, nahmen sich sowohl er als auch Ikarios’ Tochter Erigone das Leben. Sie wurden daraufhin an den Himmel versetzt. Der Hund fand als Belohnung für seine Treue einen Platz an den „Ufern“ der Milchstraße, in der Sage ein himmlischer Fluss, wo er niemals unter Durst leiden musste.
Was für ein Stern ist der helle Procyon? Zunächst fällt seine (für einen Stern) Nähe zur Sonne und Erde auf. Unter den Milliarden Sternen der Milchstraße ist er mit einer Entfernung von nur gut elf Lichtjahren der fünfzehntnächste. Von diesen fünfzehn Sternen sind aber nur fünf, darunter der nur knapp neun Lichtjahre entfernte Sirius, mit dem bloßen Auge sichtbar, und von diesen fünf nur vier aus Deutschland. Die anderen zehn Sterne sind trotz ihrer Nähe zu lichtschwach.
Das Procyon-System besteht aus zwei Sternen. Der weitaus hellere hat die siebenfache Leuchtkraft und eineinhalb-fache Masse der Sonne, ist etwas heißer als sie und leuchtet weißlich. Der zweite Stern ist ein Weißer Zwerg mit etwas mehr als einer halben Sonnenmasse und weniger als einem Tausendstel ihrer Leuchtkraft. Die beiden Sterne umkreisen sich einmal in etwa vierzig Jahren.